Wald

Schutz für die rumänischen Urwälder

Die Karpaten, eine Bergkette, die sich in Zentral- und Osteuropa über 1500 km erstreckt, beherbergen einige der letzten ursprünglichen Waldgebiete Europas. Der größte Teil davon liegt in Rumänien, überwiegend hochgelegene Mischwälder, in denen der im Instrumentenbau unverzichtbare Bergahorn wächst. Hierbei handelt es sich um zwei Drittel der Ur- und Naturwälder Europas, wenn man Skandinavien unberücksichtigt lässt. (Zum Vergleich: Der Anteil der Alpen am europäischen Urwalderbe beträgt nur 0,4 Prozent.) Obwohl sie als National- und Naturparks, EU Natura 2000-Gebiete und UNESCO-Welterbe unter Schutz gestellt sind, werden diese kostbaren Wälder durch legalen und illegalen Holzeinschlag stetig dezimiert.

In einem korrupten System wird diese massive Zerstörung rücksichtslos vorangetrieben. Das staatliche Forstunternehmen Romsilva verwaltet die Wälder. Es ist für die Einhaltung der Bestimmungen in bestehenden Schutzzonen und die Unterschutzstellung weiterer Waldgebiete zuständig (Der Schutzstatus ist, entgegen weltweiten Standards, noch nicht für alle schützenswerten Waldgebiete anerkannt). Romsilva ist maßgeblich an den großflächigen Abholzungen beteiligt. Dabei werden nationales rumänisches Recht, EU-Gesetzgebungen und internationale Gesetze systematisch verletzt.
So setzte Romsilva beispielsweise den Holzeinschlag fort, obwohl der Oberste Gerichtshof in Bukarest die Abholzungsgenehmigungen Anfang 2020 ausgesetzt hatte.

Gegen diese zerstörerische Praxis kämpfen die rumänische Umweltorganisation Agent Green und die Naturschutzstiftung EuroNatur gemeinsam. EuroNatur beabsichtigt „gemeinsam mit anderen Organisationen und engagierten Menschen […] auf die Gefahr für dieses einzigartige Naturerbe aufmerksam [zu] machen und bessere Schutzbestimmungen durch[zu]setzen.“ In dieser Mission schließt sich Eben!Holz e.V. ihrem Projekt „Save Paradise Forests“ an. Im Moment geht es um die finanzielle Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung von Gerichtsverfahren auf nationaler und europäischer Ebene. Auf diese Weise sollen die bisher verwehrte umfassende Unterschutzstellung erreicht und unrechtmäßige Vergaben von Nutzungskonzessionen nachgewiesen werden. Das soll großflächige Abholzungen und Kahlschlag stoppen.

Einer der jüngsten Erfolge besteht darin, dass die Europäische Kommission ein Vertragsverletzungs-verfahren gegen den rumänischen Staat eingesetzt hat, nachdem EuroNatur, Client Earth und Agent Green Beschwerden über die systematische Zerstörung der Wälder und den illegalen Holzeinschlag in den Natura 2000-Gebieten Rumäniens eingereicht hatten.